Projekt Schulküken

Rosendahl: Unterricht zum Anfassen

Einige Kinder der Klasse 3 b mit den geschlüpften Küken: Landfrau Hedwig Hölscher (Mitte), Bufdi Annika Berlemann (3. von rechts) und Schulleiter Thomas Middelberg (links) begleiten das Projekt.

Ganz vorsichtig nimmt Jan eines der Küken aus dem Käfig heraus auf seine Handfläche. Der Drittklässler hat seine Erfahrung damit – gemeinsam mit seine Freunden Theo und Mike kümmert er sich täglich um die Pflege des gefiederten Nachwuchses, und das nicht auf einem Hühnerhof, sondern im Forum der Sebastian-Grundschule. Dort herrscht grundsätzlich viel Bewegung, seit einigen Tagen aber auch außerhalb der Schulzeiten: 21 Küken haben dort das Licht der Welt erblickt.
Dieser Unterricht der anderen Art kommt bestens an. „Wir wollen den Kindern die Natur näherbringen“, erklärt Hedwig Hölscher. Zum zweiten Mal wird das Projekt an der Schule durchgeführt, und die Landfrau ist sich sicher, dass eine Menge Wissen hängenbleibt. „Ich erlebe eine totale Begeisterung“, freut sie sich und erntet die Zustimmung von Schulleiter Thomas Middelberg: „Auch jüngere und ältere Kinder sind mit ihren Eltern schon gekommen, um sich das anzusehen.“

Begonnen hat die Aktion mit 30 Eiern in einer Brutmaschine. Anfangs war für die Kinder noch nicht so viel zu sehen, und doch waren sie immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung – dank Annika Berlemann, die ihren Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) an der Schule absolviert: Sie hat einen Zeitkreis erstellt, der immer weiter ergänzt wurde und neben dem Brutkasten an der Wand hängt.

21 Tage bis zum Schlüpfen, das ist die übliche Zeit, sagt Hedwig Hölscher. Und die Sebastian-Küken haben sich exakt daran gehalten. Schon kurz vorher kam Bewegung in die Eier, was die Spannung gewaltig steigerte. „Als dann morgens die ersten Küken geschlüpft waren, wirkte das auf viele Kinder wie große Zauberei“, lächelt Middelberg. 21 muntere Tiere entwickeln sich seitdem bei stets frischem Futter und Wasser sowie unter einer Wärmelampe prächtig. Namen sind nicht verteilt worden, teilweise können sie aber gut auseinander gehalten werden. „Wir haben verschiedene Rassen dabei, unter anderem vom Vorwerk-Huhn“, erklärt Hedwig Hölscher. Das sei sogar vom Aussterben bedroht, weil es nicht so legefreudig sei.

Noch bis Pfingsten bleiben die Küken in der Grundschule, dann kommen sie auf den Bauernhof, wo sie mehr Platz haben. Bis dahin wird das Interesse nicht abreißen, ist sich Thomas Middelberg sicher. Unterricht in dieser Form bleibe sehr gut hängen, weiß er aus Erfahrung – auch Hedwig Hölscher hat einen positiven Effekt festgestellt: „Die Küken sind jetzt wichtiger als die Playstation.“

Text und Foto Frank Wittenberg (AZ Coesfeld)